Brennpunkt Wollepark: Niedersachsens Ministerpräsident Weil besucht Problemviertel

 

Vermüllte Wohnhäuser, Hygieneprobleme und dubiose Hausverwalter. Der sogenannte Wollepark in Delmenhorst ist als sozialer Brennpunkt bekannt. Hier wurden sogar Wohnblöcke wegen der Zustände geschlossen. Nun, zwei Jahre später, machte sich Ministerpräsident Stephan Weil ein Bild vor Ort.

Wie es mit dem Viertel weitergehen soll, sehen Sie im Video.

  

Gas und Wasser abgestellt

 

Vor zwei Jahren, im Frühjahr 2017, geriet der Delmenhorster Wollepark in die Schlagzeilen. Die Stadt hatte wegen unbezahlter Rechnungen Gas und Wasser abgestellt. So wurde der breiten Öffentlichkeit erstmals vor Augen geführt, unter welchen Bedingungen die Bewohner dort lebten. Zerschlagene Fenster, Müllberge vor den Haustüren und in den Fluren, bröckelnde Fassaden: Die Wohnblöcke auf dem ehemaligen Nordwolle-Gelände waren über Jahre immer mehr verkommen. Dennoch wohnten in ihnen mehr als 300 Menschen, vorwiegend aus Osteuropa. Viele von ihnen waren nicht offiziell gemeldet. Die meisten von ihnen hatten ihre Mieten wohl bezahlt. Doch weil ihre Vermieter das Geld offenbar systematisch nicht an die Stadtwerke weitergaben, blieb der Stadt Delmenhorst keine andere Wahl, als die Versorgung einzustellen. 130.000 Euro betrugen die Schulden der Wohnungseigentümer.

  

Zwei Blöcke abgeriegelt

 

Dennoch harrten einige Bewohner ohne Gas und Wasser aus. Im Oktober 2017 erklärte die Stadt dann zwei der Wohnblöcke für unbewohnbar, rund 80 Wohnungen wurden abgeriegelt. Fast zur gleichen Zeit begann der Abriss von Gebäuden, die schon seit 2010 leer standen. Doch die abgeriegelten Blöcke sind weiter im Besitz der Eigentümer. Die versprachen, zu sanieren – passiert ist jedoch so gut wie nichts. Und weil sie die zwei Hochhäuser nicht besitzt, kann die Stadt Delmenhorst selbst nicht aktiv werden. Stattdessen muss sie zusehen, wie auch dort alles immer mehr verfällt.

  

Gesetz gegen Mietmissbrauch

 

Die Lage im Wollepark hat Auswirkungen auf ganz Niedersachsen. Unter Eindruck der Zustände arbeitet die Landesregierung an einem Gesetz, das Mindeststandards für Mietwohnung festlegen soll. Das soll verhindern, dass Wohnungen verwahrlosen, weil Vermieter sie nicht sanieren. Unter anderem müssten künftig ausreichend Tageslicht, natürliche Belüftung sowie funktionierende Toiletten vorhanden sein. Ebenso müssten Wohnungen gegen Feuchtigkeit und Witterung geschützt werden. Pro Bewohner sollen dann neun Quadratmeter Fläche Voraussetzung sein. Eigentlich alles Dinge, die selbstverständlich sein sollten. Bei Schrott-Immobilien wie einigen Häusern im Wollepark war es das aber nicht.

   

Thees Jagels / Patrick Testa-Kreitz

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