Autofahrer fährt Radfahrer wohl absichtlich an - wie das Opfer die Tat erlebt hat

 

Nichts ahnend fährt Thorsten Frankhänel im Juni in Dötlingen mit dem Fahrrad nach Hause, es ist sein Geburtstag, der Friedhofsgärtner durfte früher Feierabend machen. Dann rast mutmaßlich Eberhard B. mit 80 Stundenkilometern von hinten heran und erfasst das Opfer auf dem Fahrradweg. Nun trafen beide beim Prozessauftakt am Landgericht Oldenburg das erste Mal nach der Tat aufeinander.

Wie das Opfer das erlebt hat und mit welchen psychischen Folgen der 48-Jährige noch immer zu kämpfen hat, erzählt er im Video.

 

Motiv: Perspektivlosigkeit?

 

Der Angeklagte Eberhard B. ist 62 Jahre alt, einkommens- und wohnungslos. Weil er offenbar keine andere Perspektive sieht, fährt er im Sommer das Opfer Thorsten Frankhänel von hinten an. Er weiß wohl, dass er für eine solche Tat ins Gefängnis kommen wird - dann hätte er eine Unterkunft und würde bis auf weiteres auf Kosten der Steuerzahler leben. So sieht es zumindest die Staatsanwaltschaft. Seit dem Vorfall sitzt Eberhard B. in Untersuchungshaft. Nun wird am Landgericht Oldenburg wegen versuchten Mordes gegen ihn verhandelt. Vor Gericht sagt der Angeklagte dazu nichts.

 

Opfer kann sich nicht erinnern

 

Völlig ahnungslos fährt Opfer Thorsten Frankhänel am Tattag im Juni auf einem Radweg bei Dötlingen im Landkreis Oldenburg. Das Auto kann er nicht kommen sehen, es nähert sich von hinten, zielgerichtet, er hört es wohl auch nicht. Das Opfer schleudert nach dem Aufprall durch die Luft, erleidet einen Schädelbruch. Der Autofahrer Eberhard B. hält zwar an, kümmert sich aber laut Anklage nicht um das Opfer. Zeugen sagen vor Gericht, dass das Auto auf dem Radweg noch beschleunigt habe. Eine Augenzeugin berichtet vom Unfallort: „Er saß ruhig im Auto, völlig unbeteiligt, keine Reaktion. Ich habe ihn gefragt: Alles gut? Und er: Ja, alles gut.“

 

Erst im Hubschrauber wird das Opfer wieder wach

 

An die Minuten nach der Tat kann sich das Opfer Thorsten Frankhänel nicht erinnern. An das, was danach im Krankenhaus folgte, aber sehr wohl. Neben dem Schädelbruch hat er auch gebrochene Rippen, muss mehrmals operiert werden. Zwei Narben an seinem Kopf und eine von der Schulter bis zum Hals sind die sichtbaren Folgen der Tat. Als Zeuge vor Gericht sagt der 48-Jährige: „Ich kann bis heute meinen linken Arm nicht bewegen, das macht mir sehr zu schaffen, da ich auch gerne zur Arbeit gehe. Ich habe auch noch ein Zittern in den Beinen“. Woher das Zittern kommt, weiß bisher niemand.

 

Opfer: „Kann man ihm verzeihen, oder nicht?“

 

Der Angeklagte hat sich nie bei Thorsten Frankhänel entschuldigt. Noch im Rettungshubschrauber, direkt nach dem Vorfall, erkundigt sich das Opfer sogar nach dem Autofahrer, was mit ihm passiert sei. Der 48-Jährige geht davon aus, dass es ein Unfall war. Als er dann am Abend von der Polizei hört, dass er wohl Absicht mit voller Wucht angefahren wurde, habe ihn das „den Boden weggezogen, das kann man nicht beschreiben“, sagt Thorsten Frankhänel vor Gericht. Er hofft durch den Prozess mit der Tat abschließen zu können.

 

Carmen Gocht/Mareike Baumert

 

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