Anti-Gewalt-Training in Lüneburg: Wenn Männer keine Täter werden wollen

 

Sie wollen ihre Ehen, ihre Familien und auch sich selbst retten: Die Männer, die in Lüneburg ein Anti-Gewalt-Training absolvieren, wollen keine Täter sein. In dem Programm lernen sie, mit Situationen umzugehen, in denen ihnen zuvor vielleicht sogar handgreiflich geworden wären. Lars (Name von der Redaktion geändert) ist einer von ihnen.

 

Was ihn zu dem Training veranlasst hat, dazu mehr im Video.

 

Jede vierte Frau betroffen

 

Es ist erschreckend und trotzdem passiert es in Deutschland immer wieder:  Männer bedrohen, schlagen oder würgen ihre eigene Partnerin. Laut dem Bundesfamilienministerium hat jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch ihren Partner erfahren. Dabei reicht das Einschreiten von Polizei und Justiz oft nicht aus - zu häufig kommt es zu Wiederholungstaten. Um das zu verhindern, gibt es in Lüneburg seit 11 Jahren ein Anti-Gewalt-Training für Männer. Rund 70-80 Prozent der Teilnehmer sucht hier freiwillig Hilfe, sie wollen raus aus der Gewaltspirale.

 

Probleme in der Gruppe ansprechen

 

Seit elf Jahren kommen Männer zu Albrecht von Bülow, die beispielsweise in Streitsituationen die Kontrolle verlieren. Er leitet das Anti-Gewalt-Training und steht Betroffenen zur Seite. „Es ist wichtig, von anderen Rückmeldung zum eigenen Verhalten zu bekommen. Vor allem von Männern, die in ihrem Therapieprozess schon weiter fortgeschritten sind. Die können sagen: ‚Ich kenne das Problem, das hatte ich auch. Aber man kann damit umgehen‘“, erklärt uns der Sozialpädagoge.

 

Hilfetelefon für Frauen und Männer

 

Laut Bundesfamilienministerium waren 2018 mehr als 114.000 Frauen von Gewalt in der Partnerschaft betroffen. Männer, die ihr Verhalten ändern wollen, können sich an die „drobs Fachstelle für Sucht und Suchtprävention“ (04131) 684460 wenden. Und auch Frauen können sich Hilfe suchen: Sie sind Opfer von Gewalt - egal, ob Sie geschlagen, gestalkt oder missbraucht wurden? Melden Sie sich beim "Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen" vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben unter der Telefonnummer 08000 1160 16.

 

Franziska Geißler / Lena Wendt

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