23-jährige Sophie N. von Stalker ermordet?

 
 
Warum musste sie sterben? Patrick S. soll Sophie N. in ihrer Wohnung in Hannover getötet haben - nach etwa zwei Jahren Stalking. Nun startet der Prozess gegen den 36-Jährigen am Landgericht Hannover.

 

"Als sie schrie, hielt er ihr den Mund zu.“

 

Die Mutter der Getöteten kämpft mit den Tränen. Die Anklage beschreibt den Todeskampf der 23-Jährigen sehr detailliert. Im Januar diesen Jahres soll er über den Balkon in die Wohnung der Getöteten eingedrungen sein. Die junge Frau wird vom Täter überrascht und brutal angegriffen. „Er schlug sie mehrmals mit voller Kraft ins Gesicht. Die Schläge waren so heftig, dass er den Nasenknorpel zertrümmerte. Als sie schrie, hielt er ihr den Mund zu.“, so heißt es laut Anklage. Außerdem soll er einen Elektroschocker und Pfefferspray eingesetzt haben. „Nachdem Sophie sich wehrlos auf dem Boden befand, [ ...] stach er ihr in den Hals. Sie versuchte das Messer noch mit der Hand abzuwehren. Er zerschnitt teilweise die Halsschlagader und sie verstarb unmittelbar, wie vom Angeklagten geplant“, heißt es weiter.

 

„Er versuchte sie zu verängstigen und zu manipulieren“

 

Heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen, so lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Patrick S.. Im Juli 2017 lernte er Sophie N. kennen und versuchte mehrfach, eine Beziehung mit ihr zu beginnen. Aus Sicht des Opfers sei der Kontakt allerdings rein freundschaftlich gewesen. Nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte aus Rache und enttäuschter Liebe gehandelt, weil die junge Frau seine Zuneigung nicht erwiderte. Die Zurückweisung war für den 36-Jährige zu viel. Im Dezember 2017 fing er an, Sophie N. zu belästigen – nicht nur in sozialen Netzwerken, auch telefonisch und persönlich. Das Stalking vor der Tat soll sehr intensiv gewesen sein. „Er versuchte sie zu verängstigen und zu manipulieren“, so die Anklage. Patrick S. habe wiederholt an der Wohnungstür geklingelt und tagsüber bis zu 164 Mal angerufen.

 

„Ich habe einen Menschen getötet“

 

Nach der Nacht im Januar sei Patrick S. zur Polizei gegangen und habe gesagt „Ich habe einen Menschen getötet.“. Beim heutigen Prozessauftakt schweigt er. Der Angeklagte wirkt angespannt und unruhig. Dem Blick der Mutter weicht er aus. Als der Vorsitzende ihn darauf anspricht, zu überdenken, ob er sich nicht doch äußern möchte, damit die Angehörigen den Fall vielleicht irgendwann verarbeiten können, fängt er an zu weinen. Für den Fall einer Verurteilung wegen Mordes droht Patrick S. eine lebenslange Freiheitsstrafe. Ob eventuell mildernde Umstände für ein geringeres Strafmaß sprechen, ist noch nicht geklärt. In den kommenden Sitzungsterminen werden Zeugen und Sachverständige hinzugezogen. Es sollen unter anderem noch die Mutter der Getöteten und ihr damaliger Freund aussagen.

 

Lena Kluß

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