Neuer Lebensmittelskandal in Deutschland

 

PCB in Geflügelfleisch und Eiern

 

Immer wieder geraten Eier in Verruf. Nach Dioxin und Fipronil sind es jetzt Lackreste im Hühnerfuttermittel, die uns den Geschmack auf Geflügelprodukte gründlich verderben.

Nach der Lieferungen von belastetem Hühnerfutter an Dutzende Höfe vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind zahlreiche Betriebe vorsorglich gesperrt worden.

Durch Kontrollen bei Masthähnchen-Proben in einem Schlachtbetrieb in Ostwestfalen haben Behörden in Nordrhein-Westfalen den Lebensmittelskandal aufgedeckt. Verseuchtes Futtermittel ist der Grund für die giftigen Substanzen in Tieren und Eiern.

 

Futtermittelhersteller Agravis ist Verursacher

 

Das mit PCB belastete Futter, stammt vom Futtermittelhersteller Agravis. Mehr als 100 Tonnen des belasteten Geflügelfutters sind im Umlauf. Das bestätigte das Unternehmen mit Sitz in Münster und Hannover am Donnerstag. Grund für die Verseuchung sind Lackabsplitterungen in zwei Verladezellen in einer Niederlassung im ostwestfälischen Minden. Dadurch konnte der giftige Stoff in das Geflügelfutter geraten.

„Das Futter wurde gesperrt und bereits ausgelieferte Ware ausgetauscht“, teilte die Agravis Raiffeisen AG mit. Man bedauere den Vorfall und habe Maßnahmen ergriffen, um Ähnliches in Zukunft zu vermeiden. Die betroffenen Verladezellen würden derzeit nicht genutzt und von einem Gutachter untersucht. „Eine schnellstmögliche Sanierung wird vorbereitet“, hieß es weiter.

 

Behörden sagen, es bestehe keine Gefahr für den Verbraucher

 

Laut Behörden geht keine akute Gesundheitsgefahr von belastetem Fleisch oder Eiern aus. PCB (Polychlorierte Biphenyle) sind aber giftige Substanzen, die nur sehr schwer abbaubar sind. Laut Aussagen einer Sprecherin hat das Landesamt NRW belastetes Geflügel und belastete Eier aus dem Verkehr gezogen, noch ehe sie in den Handel gelangen konnten.

 

Betriebe in mehreren Ländern sind gesperrt

 

In NRW seien mehr Höfe betroffen als in Niedersachsen, bestätigte des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) am Donnerstag. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte am Mittwoch über 27 betroffene Betriebe informiert. Sperrungen gibt es demnach auch in Sachsen-Anhalt (2) sowie Brandenburg und Thüringen (je 1).

 

Behörden in NRW hätten schneller reagieren können

 

Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) informierte am Donnerstag im Landtag in Hannover über den Fall. Demnach sei Niedersachsen am 2. November aus NRW darüber informiert worden, dass bei der Untersuchung einer Masthähnchen-Probe eine Überschreitung des Höchstgehalts festgestellt wurde. Erst sieben Tage später hätten die Behörden aus dem Nachbarland weitere, von Futtermittellieferungen betroffene Betriebe nachgemeldet. „Dadurch hat sich die Zahl der insgesamt betroffenen Betriebe in Niedersachsen deutlich erhöht“, sagte Otte-Kinast.

 

Reporterin Julia Franz hat mit der Ministerin Otte-Kinast im Landtag gesprochen und berichtet über weitere Einzelheiten im Video.

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