Energie von Mensch zu Mensch


Einfach Strom vom Nachbarn kaufen

 

Es ist eine Art Strom-Revolution. Strom von Mensch zu Mensch statt vom Großkonzern. So könnten wir künftig nicht nur Fleisch und Gemüse vom Bauern aus der Region beziehen, sondern eben auch den Saft aus der Steckdose. Zwei Energie-Pioniere in Hamburg realisieren das Dank einer Internetplattform.

 

Der eine ist Norbert Neuburger aus Hamburg-Wilhelmsburg und er  hat sich besonders über den heißen Hamburger Sommer in diesem Jahr gefreut: Denn den Strom, den seine Photovoltaik-Anlage produziert, speist er ab sofort nicht mehr anonym ins Netz ein, sondern er verkauft ihn an Leute aus seiner Nachbarschaft. 
Neuburger hat seit 1988 eine  Solaranlage auf dem Dach: „Ich weiß, da sind andere Leute, die sind bereit 5 Cent mehr zu zahlen, um Strom aus Wilhelmsburg zu kriegen."

 

Eine neue Internetplattform vermittelt Strom in der Nachbarschaft

 

Möglich wird das über die Internetplattform Enyway - gegründet in Hamburg. Ein neuer Online-Marktplatz für Strom, bei dem man keinen Vertrag mit einem großen Energiekonzern abschließt, sondern mit ein paar Klicks direkt mit dem Menschen, der den Strom produziert. Über die Internet-Plattform konnte Neuenburger so bereits zwei Kunden gewinnen - und er könnte sogar noch zwei weitere mit Strom versorgen.

 

Sauberen Strom voran bringen, das wollte auch der zweite Energie-Pionier aus Hamburg Jens Heidorn. Er suchte schon während seines Ingenieur-Studiums zusammen mit seinem Freund nach Alternativen zum Atom-Strom. Windkraft-Anlagen gab es zu dieser Zeit in Hamburg noch keine. Es ging viel um Kredite, Genehmigungen, Emissionsrecht… Selbst als Jens Heidorn es zusammen mit seinem Kollegen tatsächlich schaffte, die erste große Windanlage auf Hamburger Boden zu errichten, bleibt das Ganze lange Zeit ein nicht wirklich rentables Hobby. Doch seine Firma wächst stetig und betreibt heute ganze 20 Windkraftanlagen: Eine davon ist "Carl" - benannt nach dem Sohn seines Geschäftspartners.

 

Erfolg ist vom Idealismus der Kunden abhängig

 

Doch Carl ist eines der Windräder, bei denen nach 20 Jahren Laufzeit die staatliche Förderung ausläuft. Jens Heidorn will Carl mit der Hilfe von Enyway retten: „Wir müssen jetzt schon alternative Vermarktungsmöglichkeiten suchen.“

Solche Möglichkeiten könnten Menschen wie Gerhard Buhk schaffen. Er wohnt in Carls Nachbarschaft in Hamburg-Altengamme und war sein erster Direkt-Kunde. Wenn sich etwa 300 solcher Direktkunden für Carl finden würden, könnten sich die Flügel des alten Herren rentabel weiter drehen.

„Das war einfach die Überzeugung, Strom, daher zu bekommen wo er regenerativ erzeugt wird und dann auch noch in der Nähe und in Sichtweite – Das ist ja das Beste, was mir passieren kann“, sagt Gerhard Buhk, er kann Carl sogar von seiner Terrasse aus sehen.

 

Norbert Neuburger und Jens Heidorn, beide Energie-Pioniere glauben an den Idealismus der Kunden und der wird darüber entscheiden, ob der Strom vom Nachbarn um die Ecke tatsächlich eine Idee ist, die den Energie-Markt revolutionieren kann. Unser Reporterin Katrin von Danwitz hat Neuburger und Heidorn besucht.

Enyway in Hamburg
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